Freitag, 13. Juni 2008

Ist alles doch nicht ganz so schlimm

.....so, endlich komme ich wieder mal ein wenig zum Tippen. Der Computer
war eine Zeit lang mit Oli unterwegs, der in Dar den Seniorexperten an
den Flughafen gebracht hat. Und dann stehen ja auch noch die
Studienbewerbungen an....neben der ganz normalen alltäglichen Arbeit an
einem neuen Windradtyp. Nun aber erstmal weiter mit der Geschichte des
Geldverlustes:

Es war schon komisch, nach ein paar Wochen schon wieder zur
Zentralpolizei zu müssen (Wegen des Handyklaus war ich da ja schon). Ich
habe dann auch gleich nach Beamten gesucht, die ich das letzte Mal schon
traf, aber die waren zu dieser frühen Abendstunde schon zu Hause. So
habe ich mich einfach an einen fremden Beamten gewendet, der mich dann
auch an den Counter brachte. Dort waren noch ein paar andere Menschen,
die auf die Polizei angewiesen waren und ich setzte mich erstmal auf die
Wartenbank. Meinen bisherigen Erfahrungen nach hätte ich mich aufgrund
meiner Hautfarbe garantiert vordrängeln können, aber das wollte ich
keinesfalls. Die Polizisten gingen ganz ruhig ihrer Routinearbeit nach
und wurden nur für eine Weile in ihrer Ruhe gestört, als eine sehr
hysterische Frau in den Raum kam. Was sie genau wollte und was ihr
Anliegen bei der Polizei war, habe ich nicht verstanden. Weil ich von
dem ganzen Tag ziemlöich müde war und ich kein Ende des langweiligen
Wartens auf meine Anzeigeerstattung sah, hab ich diesen Termin auf den
nächsten Tag verschoben. Als ich das vor dem Gebäude anderen Polizisten
erzählte, konnten sie mich so unerledigter Dinge nicht einfach ziehen
lassen. Nach dem Motto: "Wenn du schon mal zur Polizei gefunden hast,
dann hinterlass doch wenigstens ne Anzeige..." So wurde dann auf einmal
ganz schnell mein Anliegen geklärt und mir wurde am Folgetag mehr Zeit
versprochen. Die Polizisten, die ihre Aufgabe so schön ernst nahmen,
boten wir dann auch noch einen Lift in ihrem Polizeiauto an, damit ich
nicht alleine bis zum Busbahnhof durch die Nacht laufen muss. Das Auto
selbst brachte mich schon so ein wenig zum lachen, es erinnerte
irgendwie an die Mickey-Maus Polizeiautos, eine wirklich niedliche
Erscheinung. Und wie schon die Karosserie so ein wenig dem Betrachter
mitteilt: "Ach hilf mir doch..." ( bei einem Polizeiauto^^) so war dann
auch die Batterie ziemlich harmlos. Es muss ein wunderbares Bild gewesen
sein, 2 Polizisten und ein Weißer schieben mitten in der Nacht ein
kleines Polizeiauto vor der Hauptwache hin und her, damit es endlich
anspringen möchte. Das tat es dann zum Glück auch und so wurde ich die
Hälfte meines Nachhausewegs gefahren. "Zuhause" bei den anderen
Freiwilligen hab ich natürlich erstmal die Geschichte erzählt und einige
"pole!" geerntet, was soviel wie "Mein Beileid" heißt, aber einfach viel
besser im Gebrauch ist.
Am nächsten Morgen dann das Programm, dass ich nach dem Handyklau schon
mal durchgezogen habe: Möglichst verschieden zu gestern aussehen! Damit
gings dann wieder auf die Wache und diesmal waren meine "Bekannten" von
der Handygeschichte auch wirklich im Dienst. Die erzählten mir auch
gleich, dass ich keinesfalls der erste wäre, dem sowas passiert sei,
auch Tansanier wären schon am selben Ort auf diese Tricks
hereingefallen. Aber warum weiß das die Polizei und tut nichts
dagegen??? Eine Antwort auf meine Frage konnte ich nicht bekommen. So
hatte ich relativ hilfreiche Unterstützung und man versprach mir, mit
einem Beamten in Zivil an den Tatort zu fahren, um zu sehen, ob die
Typen von gestern wieder da sein werden. Aber ein Auto? Ja, das solle
ich mir doch bitte schön selbst besorgen. Und zwar ein verspiegeltes,
damit wir nicht entdeckt werden. Also bin ich zum nächsten Taxistand und
habe mich auf die Suche gemacht, aber mir erstmal einige Absagen
eingehandelt. Denn nachdem ich schon einige tansanische Monatsgehälter
innerhalb weniger Sekunden losgeworden bin, wollte ich so schnell nicht
mehr viel Geld ausgeben. Zu meinem Glück ist mir ein Fahrer begegnet,
der, wie sich später herausstellte, keine funktionstüchtige Beine hat.
Sein Auto wurde aber auf ihn angepasst und er fährt wirklich gut.
Außerdem kennt er die Gegend gut und er wollte mir wirklich helfen,
nicht nur Geld an mir verdienen. Man kann sich nicht vorstellen, wie gut
das meiner Seele tat, einem solchen Menschen in diesem Moment zu begegnen!
Mit ihm und dem zivil getarnten Beamten sind wir dann in das Viertel
gefahren und haben einige Runden um den Block gedreht. Schnell habe ich
den Tatort wiedererkannt und dann haben wir uns auf die Lauer gelegt.
Fensterscheiben hoch, im Schritttempo an den verdächtigen Stellen vorbei
und ohne den brillianten Fahrer hätten wir die beiden wohl verpasst. Er
konnte die beiden Gestalten nämlich in der Ferne erkennen und fragt mich
nicht weshalb, aber der Fahrer wußte, dass die beiden krumme Geschäfte
machen. An deren Fersen haben wir uns dann geheftet und ich konnte gut
erkennen, dass sie beide eine Zeitung tragen, in der sie ihren kleinen
Karton mit den "Tauschraten" verstecken. Es ist ein unglaublich
spannendes Gefühl, solche Ermittlungen zu machen-ein bisschen wie im
Film ;-). Der Polizist hatte mich ein wenig verunsichert, denn als ich
ihm sagte, wir sollten uns die beiden doch schnappen, wenn sie schon vor
unserer Nase herumlaufen, meinte er, eigentlich suche er einen größeren
Fisch, der Wind davon bekommen könnte, wenn die kleinen geschnappt
werden würden. Der große Fisch war aber nirgends zu finden und so
plädierte ich darauf, die beiden doch festzunehmen, nicht zuletzt wollte
ich das Geld wieder. So sind wir an einer anderen Stelle ausgestiegen
und wir haben eigentlich ausgemacht, dass ich erstmal nochmals Lockvogel
spiele, um die beiden auf frischer Tat zu ertappen. Leider hat der
Polizist schon vorgegriffen und sich die beiden geschnappt. Dummerweise
hat er sich damit vergriffen und die Person, die ich eindeutig als einen
Dieb vom Vortag identifizieren konnte, laufen lassen und einen andern
Typen festgenommen. Bei der anderen Person war ich mir nicht so ganz
sicher, ob er vortags dabei war. Die beiden stritten auf der Wache
natürlich alles ab, aber ich behauptete erstmal, dass ich mir sicher
sei, dass die beiden gestern mein Geld geklaut hätten, auch wenn ich
selbst Zweifel daran hatte. Aber auch dieses Verhalten war ein Tip von
dem Taxifahrer und so hielt ich mich daran, ich wollte ja keinesfalls
nochmals verarscht werden. Eigentlich dachte ich, hätte ich mich an
meine dunkelhäutige Umgebung schon sehr gewöhnt, aber nun zeigte sich,
dass das mit dem Gesichterauseinanderhalten gar nicht so einfach
ist...an Augenfarbe und Haaren kann man sich schon mal nicht richten....
Naja, so wurden die beiden Verdächtigen erstmal gut durchsucht und
dabei kamen einige Geldbündel auf den Tisch, wie ich sie auch bekommen
hatte: aussen ein 10.000er und drinnen nur 500er. Wie erleichtert war
ich darüber, denn ich wollte ja niemanden Unschuldiges in
Schwierigkeiten bringen. Weil die beiden natürlich immer noch das Delikt
vom Vortag abstritten, ist der Polizist dann mit ihnen nochmal an den
Tatort gefahren, denn dort soll die eigentliche Person, die auf meine
Beschreibung passt, sein. Angeblich (ich war ja nicht dabei) haben sie
sich treffen wollen, wurden aber jedes Mal versetzt. Inwiefern das
folgende nun wirklich so ablief wie ich es erst meinte oder doch anders,
kann ich nicht wissen: Auf der Wache wurde mir dann angeboten, das Geld
zurückzugeben, auch wenn die beiden nicht die eigentlichen Diebe gewesen
waren. Allerdings nicht alles, sondern 60.000 würden noch ausstehen, die
mir dann bis zum Ende des Monats zurrückgegeben werden sollten. Ich
versuchte, noch mehr herauszuholen, aber die beiden meinten, ich solle
froh sein, dass sie mir überhaupt etwas von ihrem Geld geben, was ja
auch schon eine ziemliche Summe war. Weil ich unbedingt das Geld
wiederhaben wollte und mir in dem Moment auch keine andere Lösung
einfiel, wie ich halbwegs zügig wieder an das Geld kommen könnte,
stimmte ich dieser Vereinbarung zu. Der Polizist versicherte mir, dass
das alles ok sei und ich das Geld sicher bekommen werde. Hätte ich diese
Lösung nicht angenommen wäre ich wohl bis vors Gericht gezogen, wie es
die beiden Verdächtigen selbst vorgeschlagen haben. Das wäre dann wohl
noch eine ganz andere Erfahrung....zu der es aber nicht kam.
Anders als zu diesem Zeitpunkt gedacht, bin ich zum Monatsende nicht
mehr nach DAr gekommen und konnte somit auch nicht nach dem Geld sehen.
Die Nummer des Verdächtigen, der mir das Geld gab, war nicht mehr
erreichbar, was man sich ja hätte denken können. Hier ist ein
SIM-Kartenwechsel so einfach wie 100g Aufschnitt beim Metzger zu
bestellen und wird dementsprechend auch relativ häufig vorgenommen.
Zu meiner Verwunderung sind dann, nachdem ich das Geld bekommen habe,
haben die beiden völlig unbehelligt die Polizeistation verlassen. Warum
wurden sie nicht festgenommen, denn die Geldpakete und auch der Karton
mit den Wechselkursen deuteten ja wohl eindeutig auf Betrüger hin?
Jetzt im Nachhinein kann ich mir auch vorstellen, dass der Polizist mit
den beiden so ein wenig gemeinsame Sache gemacht hat, so nach dem
Motto: "Hey, ihr habt Dreck am Stecken, das wisst ihr selbst. Wenn ihr
mir aber jetzt 30.000 gebt, dann überreden wir den Mzungu, dass er
erstmal nur einen Großteil des Geldes bekommt und den Rest dann später.
Damit kommt ihr an einem Strafprozess vorbei und "verdient" selbst noch
30.000! Oder was meint ihr, ist das nicht ein Deal?"
Das ist nur eine Vermutung, aber dass die beiden völlig unbehelligt
gehen konnten, spricht für mich schon so ein bisschen für eine
Zusammenarbeit von Staatsmacht und Trickbetrügern.
Dennoch bin ich sehr sehr froh gewesen, einen Großteil des Geldes wieder
in Händen halten zu können. Hab ichs Bongo nochmal gezeigt!
Meinen Erfolg konnte dann kaum jemand glauben...Ein Weißer, der es in
Bongo schafft, von Trickbetrüger wieder an sein Geld zu kommen. Sojemand
wird Volksmund als Mjanja genannt und dies hängt mir, vor allem hier an
Schule, noch ziemlich nach. Zuerst von der fernen Großstadt, wo auch die
Lehrer nur selten vorbeikommen, so zerplückt zu werden und dann doch
irgendwie wieder an sein Recht zu kommen -ich habs geschafft.
Nun bleibt nur noch zu sagen, dass ich auf solche Tricksereien nicht
mehr eingehen werde. Wobei mich es irgendwie reizt, jetzt wo ich das
Spiel verstehe, nochmal einen solchen Bertüger auf frischer Tat zu
ertappen und der Polizei auszuliefern, wenn die es schon nicht schafft.
Aber davor müsste ich mir erstmal einen wirklich verlässlichen Beamten
suchen und das Risiko des Geldverlustes will ich dann irgendwie doch
nicht eingehen -außer mit gefälschten Euros^^. Die habe ich hier leider
nicht :-(.

Ach da fällt einem wieder einmal auf, wie gut man es im friedlichen
Mafinga eingentlich hat :-)

Damit schöne Grüße aus dem spätherbstlichen Mafinga, wo es nachts a*kalt
und mittags s*uwarm ist,

Felix


P.S.:
Mittlerweile, nachdem ich meine beiden Diebstahlsgeschichten schon
hunderte Male erzählen musste, sage ich nur noch, ich hätte das Leben
eines Menschen in Dar Es Salaam verbessert...bin ich nicht dafür hierher
gekommen, um das Leben der Menschen so ein bisschen zu verbessern?!?
Aber das "Hilfe" auch so aussehen kann, hätte ich nicht gedacht^^

Kommentare:

Manuel hat gesagt…

Moin Felix,
was heißt denn Mjanja?
LG,
Manuel

Jakob hat gesagt…

du solltest ein buch schreiben...

tja, fehlt nur noch struppi und dann bereist du die welt und kommst zwielichtigen Banden aus weiten Fernen auf die Spur...Schade, dass du nicht Tim heißt...

Aber egal: Du bist mein neuer Columbo!

Wahnsinnsgeschichte...ich musste sie glatt nochmal lesen!

Hau di nei du Nudel

Anonym hat gesagt…

Hallo Felix,
kannst Du mir helfen Bieretiketten aus Tanzania zu bekommen? Ich sammle diese Etiketten. Ich war selbst schon mal in Tanzania´, ist aber schon eine Weile her.
Viele Grüße
HendrikThomann@aol.com