Sonntag, 4. Mai 2008

Dar mit Schal

Schon vor einiger Zeit hatte ich mir in Iringa bei Neema Crafts einen
schönen Schal gekauft. Dieser kleine und feine Laden, der leider
ziemlich auf weiße Kundschaft ausgerichtet ist, beschäftigt vor allem
behinderte Mitarbeiter. Sowohl körperlich als auch psychisch Behinderte
können so ein regelmäßiges Einkommen finden und sind unabhäging.
Ansonsten bliebe ihnen vielleicht noch irgendeine sehr einfach
Verkaufsmöglichkeit an Bushaltestellen beispielsweise, aber
normalerweise hat man mit einer Behinderung schlechte Karten und ist auf
Betteln angewiesen. Wobei mir hier noch ein Beispiel aus Mafinga
einfällt, wo ein Fahrradladen einen wirklich talentierten
Fahrradmechaniker eingestellt hat, der allerdings seine beiden Beine
nicht gebrauchen kann. Seiner Lebensfreude und seinem Engagement tut das
aber wenig.
Ein anderes Beispiel aus Mafinga ist ein jüngerer Mann, der tagtäglich
einen Plasikeimerdeckel in den Händen hält und damit Autofahren spielt.
so läuft er den ganzen Tag durch die Stadt und trägt zur Belustigung der
Leute bei. Ob ihn das stört, kann ich leider nicht sagen, ebensowenig,
woher er seinen Lebensunterhalt erwirtschaften kann.
Nun aber zurück zu diesem Schal, der komplett in Iringa gewebt wurde:
Am Tag der Abreise nach Dar haben sich bei mir leichte Halsschmerzen und
ein trockener Husten angekündigt. Vorbeugend habe ich Tonispret und
Islamoos geschluckt, was aber nichts geholfen hat und so kam der Schal
mit ins Gepäck für Dar, die eigentliche Hitzemetropole.
Und die knappe Woche, die ich dort verbracht habe, war ich dankbar
dafür, denn es einerseits aufgrund der Regenzeit, die diesen Namen
wirklch verdient, ziemlich kalt in Dar und mein Hals wollte sich so
schnell auch nicht beruhigen.
Man bekommt zwar viele Blicke, die allermeisten einfach nur Verwunderung
ausdrückend, nachgeschmissen, aber auch so manches Lob. Viele Schals
haben die Leute hier (anders als im kalten Mafinga) bestimmmt noch nicht
gesehen und haben es wohl vor allem als Modeaccessoir gewertet. Vor
allem, als ich einmal kurz an die Küste kam, sprach mich eine
Hotelangestellte darauf an und am liebsten hätte sie den Schal gleich
behalten^^.
Ob man damit noch neue Trends setzen kann? Einerseits wird vieles von
Weißen abgeschaut. Andererseits, vor allem in Bekleidungssachen, wird
nicht alles, was neu ist, übernommen. So war ich positiv überrascht, als
ich vor kurzem einige Minuten eine Fernsehshow im Format von DSDS sah.
Die Teilnehmer trugen fast aussschließlich Kleidung, die "afrikanische
Tradition" und "Moderne" geschickt miteinander kombinierten. Und es gibt
auch einen Modewettbewerb, der genau auf dieses Ziel ausgelegt ist. Wenn
man sich also etwas abseits und vom Niveau her ein wenig oberhalb der
ausschließlich chinesisch produzierten Massenkleidung "im westlichen
Stil" umsieht, kann man wirklich neues und schönes entdecken.
Hoffentlich findet das noch eine breitere Verbreitung in der
Bevölkerung. Denn besonders attraktiv finde ich einen "internationalen
Kleidungsbrei" nicht unbedingt...
Ach und mein Husten wollte sich erst wieder in Mafinga verabschieden...

Schöne Grüße, wieder schallos,
Felix

1 Kommentar:

Jakob hat gesagt…

so, jetzt habe ich mal 11 tage nichts von dir gehört und muss darüber meinen unmut äußern!

Du versinkst wahrscheinlich in arbeit, du ärmster...aber ich muss doch sehr bitten: ein neuer blogeintrag würde mein herz hüpfen lassen

:-)

schöne grüße aus dem bis grad eben noch superwarmen und jetzt gewitterlichen ebersberg