Mittwoch, 5. März 2008

Marathon = Spaziergang?!? ;-)

So, nun bin ich endlich wieder zuhause in Mafinga angekommen. Am Montag
nach dem Marathon waren wir noch kurz in Arusha um uns eine
(Sägespäne)-Briquettpresse bei einer anderen FÖJ-Einsatzstelle
anzusehen. Soetwas wäre nämlich auch für die Schule ziemlich praktisch.
Danach haben wir einen kurzen Abstecher zu Jana nach Marangu gemacht und
sind dann für eine Nacht nach Dar gefahren, weil das so gut wie auf dem
Weg liegt und wir noch Femke verabschieden wollten. Sie wird nämlich
schon früher, Ende dieses Monats nach Deutschland zurückfliegen, um dort
ihr FÖJ zu beenden.
Nun aber zu den Geschehnissen am Sonntag: Wir sind um kurz nach 5 Uhr
morgens aus den bequemen, großen Betten gekrochen (Wir haben es
organisiert gekriegt, dass wir auf dem Unigelände schlafen durften) und
haben das vorbereitete Equipement angezogen. Da Oli eine Erkältung
hatte, entschied er sich, trotz seiner Anmeldung am Vortag, nicht beim
Halbmarathon an den Start zu gehen. Man sollte seiner Gesundheit
wirklich klaren Vorrang geben! Mit der Anmeldung hatten wir übrigens
auch Glück: Wir konnten als tansanische Staatsbürger starten und mussten
somit weniger als 2 € anstatt der 60$ für Touristen für einen Startplatz
bezahlen...:-)
Ich fühlte mich aber gesund, nur meine Beine waren aufgrund des
Herumlaufens er letzten Tage leider etwas müde, und so gingen wir an den
Start. Als leichtes Frühstück aß ich Toastbrot und dazu Wasser. Knapp
300 Marathonläufer fanden sich am Start ein. Kurz vor dem Schuss löste
sich dann noch ein Schild vom Zieleinlauf (siehe Foto) und die Brücke
brach mangels Gebläsepower kurz in sich zusammen. Ansonsten gab es noch
ein paar Durchsagen nach dem Motto. "Herr XY soll bitte zur Bühne
kommen, denn er hat noch die Aufkleber für die Begleitfahrzeuge!".
Ansonsten lief alles glatt und pünktlich!, mitten in der Dämmerung
erfolgte der Startschuss. Damit machte ich mich darauf gefasst, nun die
nächsten etwa 4 Stunden zu joggen. Locker ging ich das ganze an, einige
Zeit bin ich sagr mit einem Beinamputierten mitgelaufen, der anstatt
zweier Unterschenkel zwei Carbonfedern hatte. Man kann sich nicht
vorstellen, was für Augen die Menschen am Straßenrand gemacht haben, als
sie diesen Läufer gesehen haben. Schnell wurden alle anderen Leute aus
dem Haus hergeholt es wurde wild auf ihn gezeigt. Aber auch viel Applaus
hat er für seine Leistung bekommen. Die ersten 8 Kilometer ging es
leicht bergab und alles lief prima. Bis auf die Autos, die trotz des
Laufes noch auf der Straße fuhren und für eine ordendliche Portion
Rußpartikel und anderer Gifte sorgten. Dieses Stück ging es anschließend
wieder zurück, diesmal halt leicht bergauf. Irgendwo hier habe ich dann
einen Mitläufer in meinem Tempo gefunden. Er stieg eine Woche zuvor auf
den Kili und die beiden Tage vor dem Marathon nahm er an einem
Mountainbikerennen um den selbigen Teil. Zusammen mit dem Marathon nennt
sich das "Kili-Challenge" und zu meiner Verwunderung nehmen daran nicht
nur sportverrückte Ausländer sondern auch Einheimische Teil.
Einige Kilometer wurden wir dann noch von einem kleinen Jungen
begleitet, der einfach so neben uns herlief. Als wir dann eine Runde
durch die Stadt Moshi drehten, fing ich an, Berge zu verfluchen. Ich
wusste, dass dieser Marathon bergig sein würde, auf der Homepage nannten
sie einen 300m Anstieg auf den Hängen des Kilis zum Schluss des Laufes.
Dass es aber schon davor knüppelhart bergauf und bergab ging, hat mich
etwas überrascht. Ebenso wie die Verpflegungsstationen, die nur Getränke
(Wasser und ab und zu Cola) anboten. So musste ich meinen ersten kleinen
Hunger mit dem einzigen Früchteriegel stillen, den ich noch aus
Deutschland mitgebracht hatte. Kameradschaftlich teilte ich diesen
natürlich mit meinen beiden Begleitern. Doch trotzdem merkte ich bald,
dass ich gerne was nahrhaftes essen möchte. Doch Bananen hingen nur an
den Stauden neben der Strecke (und lagen nicht an den
Verpflegungsstationen...:-( )-leider grün, sonst hätte ich mir welche
geklaut^^. Zur Halbzeit kam ich dann wieder am Stadion vorbei und da
konnte mir Oli auch ein paar Bananen geben. Trotzdem haben die Berge in
der Stadt und vor allem der eigentliche Anstieg ab dem Stadion ziemlich
viele Körner gekostet. Die Zuckermoleküle in meinem Blut machten sich
immer rarer und so wollte ich meine Reserven mit Cola, dem einzig
erhältlichen Zucker wieder auffüllen. Das hat auch ein bisschen
geklappt, aber vor allem füllten die Getränke meinen Bauch. Und das hat
ihm, zusammen mit der Laufbewegung nicht allzugut gefallen.
So war leider an Laufen nicht mehr allzusehr zu denken und ich fortan an
die restliche Strecke zusammen mit einem 27-jährigen Studenten gegangen.
Ab und zu haben wir ein paar Laufschritte versucht, aber das hielt
jeweils nicht lange. So konnten wir die Kaffeplantagen begutachten und
die Sonne genießen. Dass das eine nicht besonders tolle Zeit
herausspringen lässt, liegt ja auf der Hand. Am Schluss sind wir nach
5:25h durchs Ziel gekommen und ich war wirklich froh, endlich angekommen
zu sein :-)
Oli hat sich schon ein bisschen Sorgen gemacht, denn ich sprach anfangs
ja von "4 Stunden oder mehr"...ein bisschen verschätzt, aber mei...;-).
Die Massage des tansanischen Physiotherapeutes war wirklich angenehm, im
Gegensatz zu den Toiletten im Stadion. Solche Hocktoiletten können mit
müden Beinen noch einiges an Herausforderung bieten....aber auch das
habe ich noch gemeistert^^. Die anschließenden Tage konnte ich halt nur
langsam und unter Schmerzen aufgrund des Muskelkaters in Ober- und
Unterschenkel gehen, aber mittlerweile hat sich das so gut wie gelegt :-).
Mir hat diese Marathon wirklich gut gefallen und ich bin auch ein
bisschen stölz auf mich. Nicht nur, weil ich es ins Ziel geschafft habe,
sondern weil ich meine Devise wahrmachen konnte, nach der ich mich nicht
überfordern werde. So war der Marathon nur zur Hälfte ein wirklicher
Lauf, der andere Teil war halt eher ein anstrendender Spaziergang...:-)
Vor allem habe ich wirklich tolle Blicke auf den Kiligipfel werfen
können und es reizt mich nun noch mehr, ihn auch zu beklimmen.
Hoffentlich finde ich dafür noch irgendwann Zeit und Geld, denn ganz
billig ist das leider nicht...:-/

Ganz liebe Grüße aus Mafinga, wo es wieder kälter und regnerischer
geworden ist,
Euer Felix

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

hey wow, du warst ne halbe stunde schneller als die oma in münchen :P. cool, dass du´s geschafft hast.
hier in bayern warn grade wahlen, es kommt zu ner stichwahl zwischen ockel und spd, aber der ockel wird ziemlich sicher gewinnen :(. zu deinem wunsch, auf den kili zu steigen: die marji hat von nem bekannten erzählt, de das gemacht hat und anscheinend ist man da so in 80er-trupps unterwegs (20 bergsteiger, der rest träger) und der berg ist ziemlich voll mit menschlichen exkrementen mangels toiletten und weil da so viele hoch wollen. vielleicht lässt sich ein kontakt zu besagtem bekannten herstellen, damit du ihn befragen kannst, wie so eine gipfelerklimmung aussieht.
glg, jara

Jakob hat gesagt…

Hey Duce,

ganz liebe Grüße und Gratulation zu deiner Leistung!

Vielleicht nicht der schnellste, aber hey: Du warst dabei! Damn, das kann auch nicht jeder von sich behaupten!

Hier ist soweit alles in Ordnung, mir gehts gut, ich hab blöderweise die Wahlen verschlafen :-P
aber es waren ja nur die Kommunalwahlen ;-) zumindest in Ebersberg...

Also, mach dir ne schöne Zeit!

Anonym hat gesagt…

Hi Felix, gratuliere zu deinen zwei Siegen! Angesichts der Umstände (Höhenlage, Profil, Ernährung, Gestörte Vorbereitung, Hitze) eine gute Leistung! Und im Herbst wird sich das Höhentraining bestimmt auszahlen! Wenn du nicht angefangen hättest zu gehen, hättest du es wohl gar nicht geschafft.
Liebe grüße
Uwe