Samstag, 8. Dezember 2007

Garteln bzw. Agrikulturelles

Erstmal noch eine Klarstellung zu meinem letzten Eintrag: Ich verurteile
keinesfalls Kirchenmusik im allgemeinen! Mir gefällt sie sogar ziemlich
oft, wie zum Beispiel der Schülerchor in den morgendlichen Andachten
hier an der Schule. Aber es gibt eben auch Lieder, die mir nicht so gut
gefallen. Und eben solche traten gestern während der Busfahrt sehr sehr
gehäuft auf. Die Gesänge waren nicht motiviert sondern sehr monoton und
in ihrer Wirkung ziemlich einschläfernd. Ich hatte mich dann noch mit
meinem Sitznachbarn über die Musik unterhalten. Ihm hat sie auch nicht
gefallen, aber er meinte, die Worte wären weise. Um das festzusztellen
reicht mein Kiswahili leider noch nicht, aber er stimmte mir zu, dass
die Melodie nicht besonders schön sei. Zumindest nicht, wenn man gerade
in einem Bus sitzt und einem die Beine einschlafen aufgrund der
mangelnden Bewegungsfreiheit....
Nun aber zum eigentlichen Thema: Nachdem es bei uns ja jetzt regelmäßig
immer mal wieder regnet ist der Boden feucht genug, um mit dem Säen
anfangen zu können. Maria hat schon unsere Maisfelder bestellt und es
zeigen sich auch schon die ersten grünen Sprossen. In unserem Garten
bauen wir auch Mais an, dazu aber noch verschiedenes anderes Gemüse wie
Erbsen, Bohnen, Karotten, Tomaten, Salat, Basilikum, Paprika und Spinat.
Nicht zu vergessen unsere Wassermelonen! Wir haben erst vorgestern
ausgesät und so zeigen sich noch keine Pflänzchen, aber allzulange wird
es nicht mehr dauern. Wir hoffen, dass uns die Pflanzen einen Gefallen
tun werden und uns mit vielen Früchten und damit Vitaminen etc.
beschenken. Wir werden, anders als die meisten anderen Bauern hier, auf
Kunstdünger und sonstige Spritzmittel verzichten und hoffen, dafür bei
der Ernte belohnt und nicht bestraft zu werden.
Der Mais, den wir anbauen stammt von unseren Vorgängern und ist auch
schon auf diesem Feldern gewachsen. Wir folgen also der traditionellen
Anbaumethodik, bei der aus der Ernte die besten Körner ausgelesen
werden, um sie dann im nächsten Jahr wieder zu verwenden. Durch die
ständige Auslese betreibt man eine Art kleine Zucht und es entstehen in
den verschiedenen Regionen des Landes leicht verschiedene Maissorten,
die an die jeweiligen Standorte sehr gut angepasst sind. Diese
Artenvielfalt sehe ich in großer Gefahr, habe ich doch vor kurzem in
Mafinga bei einem Agrikulturhändler verschiedene Sorten Hybridmais
gesehen. Nicht nur, dass die Körner gebeizt sind und damit giftig (Durch
die bunten Farben schauen die Körner aus wie Süßigkeiten [Pipi...ist das
Kiswahiliwort dafür... ;-) ] und werden von Kidern wahrscheinlich leicht
verwechselt!!!). Auch kann die Ernte nicht mehr zu Wiederaussaat
verwendet werden, wie das bei Hybridpflanzen halt so üblich ist. Dadurch
entsteht eine enorme Abhängigkeit, denn von der ersten Aussaat an muss
man praktisch jedes Jahr wieder zum Händler, um sich neues Saatgut zu
kaufen. Der Händler und auch der Saatguthersteller lacht sich natürlich
ins Fäustchen. Die finanziellen Auswirkungen sind das eine, aber auch in
die Ökologie greift diese Neuerung massiv ein. Denn dadurch findet nur
eine einzige Sorte landes- vielleicht sogar kontinent- oder weltweiten
Einsatz. Die auf ihre jeweiligen Umgebungen spezialisierten Sorten
werden damit verdrängt und genetische Artenvielfalt geht für immer
verloren. Auch steigt durch die Verwendung dieser empfindlichen
Hochleistungspflanzen der Düngemittel und Pestizideinsatz, da die
Pflanzen deutlich mehr Nährstoffe benötigen und nicht so resistent gegen
bestimmte Schädlinge sind. Ein großer Saatgutkonzern, der sich die
Forschung auf diesem Gebiet leisten kann, profitiert davon natürlich,
aber die Bevölkerung driftet damit in eine große und unnötige
Abhängigkeit. Ob die hoch und heilig versprochenen größeren Erträge
wirklich eintreten, wage ich nicht zu prognostizieren, aber selbst dann
dürfte der Bauer nicht allzuviel davon haben, denn für das Saatgut, den
Dünger und die Pestizide geht deutlich mehr Geld als sonst drauf.
Ich bin auf dieses Thema aufmerksam geworden, weil unser Nachbar sich
dieses Jahr dieses Zeug gekauft hat, aber er wusste zum Beispiel nicht,
dass die Samen nicht mehr zur Wiederaussaat genutzt werden können. Ich
werde versuchen, ihn über das Thema zu sensibilisieren und für nächstes
Jahr werden wir ihm etwas von unserer hoffentlich großartigen Ernte für
seine Aussaat abgeben.
Das Foto zeigt übrigens unseren Gemüsegarten. Das zarte Grün ist aber
bis jetzt nur Unkraut....^^
Viele Grüße ins vorwiegend industie-agrikulturelle Europa ;-) ,
Felix

1 Kommentar:

Manuel hat gesagt…

Meine Anerkennung für dein Engagement! Ich beneide dich wirklich um die möglichkeit so lebensnah in die Missstände eingreifen zu können und wünsche dir viel Kraft und Erfolg. Ich bin sicher dir wird viel Verständnis entgegengebracht werden.
Du musst natürlich bedenken, dass die Bauern direkt von ihrer Ernte abhängen und etwas stur sein können, aber sie haben ja selbst - wie du sagst - einmal geschockt festgestellt was für ein Mist das ist.
Viel, viel Glück dir

(übrigens, ich wurd zum Vorstellungsgespräch bei nem Träger nach Berlin eingetragen wie du damals nach Hamburg xD)